Um hilfsbedürftigen Igeln sachgerecht zu helfen, genügt Tierliebe allein nicht! Igelfinder mögen sich unbedingt mit einer Igelstation und/oder einem Tierarzt in Verbindung setzen. Dort wird der Igel medizinisch behandelt und fachkundiger Rat erteilt, ohne den verwaiste Igelsäuglinge, sowie viele kranke und verletzte Igel zu einem qualvollen Tod verurteilt sind.
Nicht jeder Igel braucht Hilfe - aber jede Hilfe muss richtig sein!
Falsch verstandene Tierliebe kann großen Schaden anrichten - Komposthaufen und liegengelassenes Laub helfen Igel über den Winter
Nur Fachkundige sollten Igel in kühlen Räumen überwintern. Das rät die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten. Die stachligen Vierbeiner sind trotz ihres niedlichen Aussehens keine Haustiere, sondern Wildtiere, die artgerecht gepflegt werden müssen. Die meist gut gemeinten Versuche von Menschen, die nur wenig oder gar nichts über diese Tiere wissen, können schlimme Folgen haben. Wenn Igel in warme Räume geholt werden, dann verbrennen sie zu viel Energie und werden geschwächt.
Doch auch wenn es zuerst einmal hartherzig klingt, die Einquartierung kranker Tiere verhindert eine natürliche Auslese. Die "Winterprüfung" ist wichtig für die Arterhaltung der Igel. In diesen Monaten zeigt sich, wer für das kommende Jahr fit ist und im folgenden Frühjahr auch gesunde Nachkommen in die Welt setzen kann.
Die Menschen können den Igeln gerade jetzt beim Überlebenskampf kräftig unter die Arme greifen. Sie sind zur Zeit auf der Suche nach einem Winterquartier, das sie vor der eisigen Kälte schützt. Doch oft finden sie keinen passenden Unterschlupf, weil ihnen übertriebene Aufräumaktionen in Gärten und Parks die Lebensgrundlage nehmen. Gut aufgehoben sind die auf ihren kurzen Beinen manchmal überraschend schnellen Tiere dagegen in Komposthaufen, gespickt mit Reisig und Schnittresten, oder in einem Holzhaufen. Eine realistische Überlebenschance haben sie nur, wenn sie mit ihrer spitzen Nase - meist recht geräuschvoll - das liegengelassene Laub durchstöbern können. Unter den Pflanzenresten, die gerade unter Bäumen und Sträuchern nicht stören, finden sie auch im Winter heißbegehrte Leckereien, wie Insekten und Schnecken. Ohne den nützlichen "Feinschmecker" würden uns manche dieser Tiere in der warmen Jahreszeit viel öfter plagen.
Pflanzenschutzmittel sind für den Igel Gift und besonders chemische Mittel gegen Schnecken können ihn töten, wenn er diese Tiere verspeist. Wenn der dämmerungsaktive Igel einen Garten als sein Zuhause ausgewählt hat, sind sie ohnehin überflüssig. Er räumt im Insektenreich so richtig auf. Hecken und Sträucher bieten ihm dabei Deckung und auch die Vögel bedanken sich mit regelmäßigen Stippvisiten. Tier- und Naturschutz fängt bereits im eigenen Garten an.
Wann ist ein Igel im Herbst ein Kandidat, der Hilfe benötigt?
Auf alle Fälle brauchen im Oktober/November aufgefundene Igel mit einem Gewicht weniger 500 g unsere Hilfe. Sie haben damit das überlebensnotwendige Winterschlafgewicht nicht erreicht. (Findet man Igel im Februar/März, sind sie zu zeitig aufgewacht und können noch keine Nahrung finden, auch dann benötigen sie unsere Hilfe.)
Was ist zu tun, wenn ein hilfebedürftiger Igel aufgenommen wurde?
Sie sollten den Igel rundum auf Verletzungen untersuchen. Ist der Igel unterkühlt, wickeln sie ihn in eine Decke oder Handtuch und legen ihn so beispielsweise auf eine Wärmflasche. Aufgefundene Igel sind meist mit Zecken u.ä. „gesegnet“, befreien sie ihn von der Plage. Außerdem sollten Sie so bald als möglich einen Tierarzt aufsuchen, wenn in der Nähe, auch eine Igelstation, damit das Tier von fachkundiger Hand untersucht werden kann (es wird z.B. der Kot auf Würmer usw. untersucht).
Igel dürfen niemals einseitig ernährt werden! Zur abwechslungsreichen Ernährung eignen sich als Grundnahrungsmittel:
- Katzen- oder Hundedosenfutter
- Eier (hartgekocht oder als Rührei)
- Geflügelfleisch (gekocht)
- Hackfleisch (kurz anbraten, so dass es durchgegart ist)
Bitte geben Sie Igeln unter keinen Umständen Milch zu trinken. Milch bewirkt wegen des für Igel unverträglichen Milchzuckers Durchfall, in der Folge Darmentzündungen und Infektionen, die tödlich enden können. Deshalb nur WASSER geben.


